Von einer Generation zur nächsten: Wie Nachfolge gelingt

Wann ist der richtige Zeitpunkt, Verantwortung an die nächste Generation zu übergeben? Und wie gelingt der Wechsel, ohne das zu verlieren, was ein Unternehmen über Jahrzehnte erfolgreich gemacht hat? Pirmin Hotz und sein Sohn Florian geben Einblick in ihren eigenen Nachfolgeprozess.

Vor 40 Jahren gründete Pirmin Hotz die Dr. Pirmin Hotz Vermögensverwaltungen AG, ein heute führendes bankunabhängiges Vermögensverwaltungsunternehmen der Schweiz. Heute übernimmt mit seinem Sohn Florian die nächste Generation zunehmend Verantwortung für das Unternehmen. Das Interview mit Pirmin und Florian Hotz zeigt, wie sie den Übergang über Jahre hinweg vorbereitet haben und welche Fragen eine Nachfolge innerhalb der Familie mit sich bringt.

Früh beginnen und die Entscheidung nicht vorwegnehmen

Der richtige Zeitpunkt, sich mit der Nachfolge zu beschäftigen, liegt lange vor dem geplanten Rückzug. Zunächst gilt es grundlegende Fragen zu beantworten: Soll das Unternehmen innerhalb der Familie weitergeführt werden? Gibt es jemanden, der dafür geeignet ist? Und will diese Person die Verantwortung tatsächlich übernehmen?

Bei Pirmin Hotz begannen diese Überlegungen bereits zehn bis vierzehn Jahre vor der heutigen Übergangsphase. Für ihn waren zwei Voraussetzungen zentral: Der potenzielle Nachfolger muss die Fähigkeiten für die Aufgabe mitbringen und aus eigener Überzeugung Verantwortung übernehmen wollen. Florian Hotz sammelte deshalb zunächst bewusst Erfahrungen ausserhalb des Familienunternehmens, unter anderem im Investment Banking in London. Erst danach entschied er sich für den Einstieg.

Verantwortung tatsächlich übergeben

Eine Nachfolge funktioniert nur, wenn Verantwortung nicht nur auf dem Papier übertragen wird. Während der Übergangsphase muss klar sein, wer welche Entscheidungen trifft und wann die nächste Generation tatsächlich übernimmt.

Pirmin und Florian Hotz haben dafür einen konkreten zeitlichen Rahmen definiert. Gleichzeitig hat Pirmin bereits heute operative Verantwortung abgegeben. Für andere Unternehmer stellen sich damit früh wichtige Fragen: Welche Kompetenzen werden wann übertragen? Welche Rolle übernimmt die abgebende Generation danach? Und wie wird mit unterschiedlichen Meinungen umgegangen?

Gerade das Loslassen sieht Pirmin Hotz als einen entscheidenden Faktor. Bleibt der Gründer dauerhaft die letzte Instanz, läuft die nächste Generation Gefahr, auch Jahre später noch als «Junior» wahrgenommen zu werden.

Vertrauen entsteht durch Kommunikation

Eine familieninterne Nachfolge betrifft einen deutlich grösseren Kreis als Vorgänger und Nachfolger. Familie, Mitarbeitende und Kunden müssen verstehen, wie der Übergang gestaltet wird und wofür die nächste Generation steht.

Bei Hotz wurde deshalb früh kommuniziert. Kunden wurden über die Entwicklung informiert und Pirmin und Florian traten gemeinsam auf. Auch intern verfolgen beide ein klares Prinzip: Sie können unterschiedliche Meinungen haben, kommunizieren nach aussen aber mit einer Stimme.

Bewahren und trotzdem weiterentwickeln

Mit der nächsten Generation stellt sich zwangsläufig die Frage, was sich verändern soll und was nicht. Bei Pirmin und Florian zeigt sich das besonders an der Anlagephilosophie. Grundlegende Überzeugungen wie langfristiges, aktives Investieren, Qualität und eine bewusste Vermeidung von Klumpenrisiken sollen bestehen bleiben. Gleichzeitig muss sich auch eine über Jahrzehnte entwickelte Philosophie neuen Marktbedingungen stellen. Für Florian geht es deshalb nicht darum, das Bestehende neu zu erfinden, sondern es dort weiterzuentwickeln, wo es sinnvoll ist.

Fragen aus dem Publikum

Nach dem Hauptgespräch kamen aus dem Publikum weitere Fragen auf. Pirmin und Florian Hotz vertieften dabei Themen, die im Interview nur teilweise zur Sprache kamen: Wie wird ein junger Nachfolger von erfahrenen Kunden wahrgenommen? Wie entwickelt sich die Anlagephilosophie mit der nächsten Generation? Was möchte Pirmin seinem Sohn für die kommenden Jahrzehnte mitgeben? Und was sollten andere Unternehmer bei ihrer eigenen Nachfolge unbedingt beachten?

Gerade die zusätzlichen Fragen zeigen, dass eine gelungene Nachfolge unterschiedliche Ebenen miteinander verbinden muss. Fachliche Kompetenz allein reicht nicht. Die nächste Generation muss Vertrauen aufbauen und gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, Verantwortung tatsächlich zu übernehmen.

Auch Pirmins persönliche Botschaft an seinen Sohn geht über die eigentliche Nachfolgeplanung hinaus: authentisch, bodenständig und ehrlich bleiben, den Kunden im Fokus behalten und sich auf ein starkes Team verlassen. Gleichzeitig müsse ein Unternehmer akzeptieren, dass gewisse Entscheidungen letztlich allein getroffen werden müssen.

Nachfolge als Prozess verstehen

Eine Unternehmensnachfolge lässt sich nicht an einem einzelnen Übergabetermin festmachen. Sie beginnt mit der Frage nach der richtigen Person, führt über die schrittweise Übertragung von Verantwortung und verlangt gleichzeitig eine bewusste Auseinandersetzung mit Familie, Mitarbeitenden und Kunden. Dabei braucht die nächste Generation Raum, um Vertrauen aufzubauen und eine eigene Handschrift zu entwickeln. Und die vorherige Generation muss bereit sein, diesen Raum tatsächlich zu schaffen.