Mehr Aktien, mehr Rendite: Nutzen Schweizer Pensionskassen ihre Risikofähigkeit ausreichend?

Mehr Aktien verbessern die langfristigen Renditechancen von Pensionskassen. Swisscanto zeigt, dass die über fünf Jahre erfolgreichen Kassen mehr Aktien und deutlich weniger Obligationen halten. Profond und PKE liegen mit renditeorientierten Strategien auch über zehn Jahre über dem UBS-PK-Index. Unterschiede in der Anlagepolitik lassen sich nicht allein durch Asset-Liability-Analysen erklären. Wer Risiken tragen kann, sollte daher den Spielraum für bessere Ergebnisse nutzen. Der Stiftungsrat muss auch den Renditeverzicht einer unnötig konservativen Strategie gegenüber seinen Versicherten verantworten.

3,6 % Rendite pro Jahr bei geringeren Schwankungen als der BVG-40: Das war der zentrale Befund unseres Artikels «Schweizer Pensionskassen machen einen guten Job, haben aber vier Hausaufgaben vor sich». Die Auswertung der Swisscanto- und UBS-Zeitreihen von 2015 bis März 2026 zeigte, dass Schweizer Pensionskassen mit dem Vergleichsindex praktisch gleichauf lagen. Dieser erreichte 3,5 % pro Jahr. Eine solide Leistung, zumal die Kassen deutlich weniger Aktien hielten als die Benchmark.

Ob sie damit ihre Risikofähigkeit ausreichend nutzten, blieb offen. Deshalb nannten wir im ersten Beitrag höhere und über Marktzyklen stabilere Aktienquoten als einen Hebel für bessere Anlageergebnisse.

Die These lautet: Pensionskassen sollten mehr Aktien halten, wo ihre finanzielle Tragfähigkeit dies erlaubt. Eine unnötig tiefe Quote bedeutet, auf erwartete Risikoprämien zu verzichten. Diesen Verzicht tragen die Versicherten, deren Altersguthaben weniger stark wachsen können.

Die Aktienrisikoprämie konsequenter nutzen

Zentral für langfristigen Anlageerfolg ist die erwartete Aktienrisikoprämie. Sie entschädigt Anleger dafür, dass Unternehmensgewinne, Bewertungen und Kurse unsicher sind. Wer einen grösseren Teil seines Vermögens breit diversifiziert in Aktien investiert, erhöht gegenüber einer stärker auf Nominalwerte ausgerichteten Vermögensaufteilung seine erwartete Rendite.

Pensionskassen haben dafür einen strukturellen Vorteil: Langfristige Verpflichtungen und regelmässige Beitragszuflüsse schaffen Spielraum, um Kapital über Marktzyklen investiert zu halten. Entscheidend ist, dass Reserven und Liquidität ausreichen, um auch deutliche Kursverluste zu überstehen. Dann lassen sich vorübergehende Schwankungen zugunsten höherer langfristiger Ertragschancen in Kauf nehmen.

Die Aktienquote sollte deshalb aus dem tragbaren Risiko abgeleitet werden. Wer nur fragt, welche Rendite zur Finanzierung der bestehenden Verpflichtungen mindestens benötigt wird, lässt den Nutzen zusätzlicher Erträge für die Versicherten ausser Acht. Eine Kasse kann ihre Sollrendite erreichen und dennoch Renditepotenzial ungenutzt lassen.

Swisscanto zeigt die Positionierung der erfolgreichen Kassen

Die Swisscanto-Pensionskassenstudie 2026 erfasst 528 Vorsorgeeinrichtungen mit CHF 939 Mrd. Vermögen. Für unsere Fragestellung ist der Vergleich der über fünf Jahre erfolgreichsten und schwächsten zehn Prozent besonders aufschlussreich.

Anlagekategorie,
Anteil Ende 2025

Beste 10 %
über fünf Jahre

Schwächste
10 % über fünf Jahre

Aktien

35,8 %

30,9 %

Obligationen

18,0 %

36,6 %

Immobilien

29,5 %

21,5 %

Alternative Anlagen

9,5 %

4,2 %

Quelle: Swisscanto-Pensionskassenstudie 2026, S. 11, Abbildung 2. Gruppenbildung nach Performance 2021–2025; Anlagequoten per Ende 2025.

Die über fünf Jahre erfolgreichsten Kassen halten mehr Aktien und deutlich weniger Obligationen. Auch ihre Immobilien- und Alternativquoten sind höher; der Vergleich beziffert deshalb keinen isolierten Aktieneffekt. Er zeigt aber, dass eine renditeorientiertere Vermögensaufteilung im untersuchten Zeitraum mit besseren Ergebnissen verbunden war.

Profond und PKE machen den Langfristvergleich konkret

Zwei Beispiele aus der Schweizer Pensionskassenlandschaft zeigen ebenfalls, dass renditeorientierte Anlagestrategien über längere Zeiträume deutlichen Mehrwert liefern können.

Die Profond Vorsorgeeinrichtung setzt bewusst auf eine Realwertstrategie mit einem hohen Aktienanteil. Bereits der Geschäftsbericht 2016 weist eine strategische Aktienquote von 49 % und einen effektiven Anteil von 51,2 % aus. Für 2025 nennt der Finanzbericht eine strategische Quote von 47 %; effektiv waren Ende Jahr 46,7 % in Aktien investiert. Die stärkere Aktienbeteiligung ist damit seit Langem Bestandteil der Anlagepolitik.

Über 2016–2025 erzielten Profond und PKE jährlich 1,0 beziehungsweise 0,9 Prozentpunkte mehr Rendite als der UBS-PK-Index. 

Kennzahl Profond

PKE

UBS-PK-Index
Rendite p. a. 2016–2025 4,9 % 4,8 % 3,9 %
Strategische Aktienquote 2025 47 % 42 % –

Quellen: Profond-Kennzahlen und Finanzbericht 2025; PKE-Geschäftsbericht 2025, Kurzfassung, S. 8–9. Strategiequoten beziehen sich auf 2025, Renditen auf die Gesamtportfolios 2016–2025. 

Profond und PKE zeigen, dass sich eine stärkere Aktienbeteiligung im Schweizer Vorsorgesystem über zehn Jahre erfolgreich umsetzen liess.

Risikofähigkeit erklärt nicht jede konservative Strategie

Eine Kasse mit ausreichenden Reserven und einem tragfähigen Arbeitgeber kann Marktverluste besser auffangen als eine finanziell angespannte Vorsorgeeinrichtung. Die finanzielle Fähigkeit, Risiken zu tragen, und die Bereitschaft des Stiftungsrats, sie einzugehen, sind jedoch unterschiedliche Grössen. Bei ähnlichen Verpflichtungen und vergleichbarer Ausgangslage können Gremien ihren Spielraum unterschiedlich nutzen.

Swisscanto prüft diesen Zusammenhang anhand des Rentnerkapitals, des Anteils der BVG-Guthaben, des Deckungsgrades und des Cashflows im Verhältnis zum Vorsorgevermögen. Diese Faktoren beschreiben, wie stark die Verpflichtungen und die Finanzierung den Spielraum einer Kasse begrenzen. Die Mehrheit der untersuchten Kassen ist laut Studie strukturell gut aufgestellt. Die Autoren sehen in der Kassenstruktur keine ausreichende Erklärung für die stark unterschiedlichen Vermögensaufteilungen.

Das spricht gegen die Vorstellung, die Vermögensaufteilung werde durch die Verpflichtungsseite und Asset-Liability-Management (ALM) zwingend vorgegeben. Innerhalb der finanziellen Grenzen bestehen Wahlmöglichkeiten, bei denen die Risikobereitschaft des Stiftungsrats und die Annahmen seiner Berater Bedeutung erhalten. Der persönliche Konservatismus der Entscheidungsträger wird in der Studie nicht direkt gemessen. Unsere Interpretation ist jedoch, dass eine defensive Positionierung auch Ausdruck gewählter Zurückhaltung sein kann und nicht allein mangelnder Risikofähigkeit. Eine tiefe Aktienquote lässt sich deshalb nicht pauschal mit ALM-Überlegungen begründen: Entscheidend ist, welche Risiken die jeweilige Kasse tatsächlich tragen kann.

Der Preis institutioneller Vorsicht

Eine konservative Strategie hat für die Verantwortlichen einen unmittelbaren Vorteil: Sie begrenzt das Risiko, nach einem Markteinbruch eine Unterdeckung erklären und Sanierungsmassnahmen einleiten zu müssen. Die Folgen einer zu tiefen Rendite werden hingegen oft erst über längere Zeit sichtbar. Daraus kann ein asymmetrischer Anreiz entstehen. Verluste lassen sich einem Geschäftsjahr und einer Anlageentscheidung zuordnen. Entgangene Renditen erscheinen nicht in der Jahresrechnung. Sie bleiben leichter ausserhalb der Debatte, obwohl sie den Spielraum für die Verzinsung und künftige Leistungen beeinflussen.

Was können Stiftungsräte tun?

Eine Strategieprüfung sollte Varianten mit fünf oder zehn Prozentpunkten mehr Aktien der heutigen Positionierung gegenüberstellen. Zu jeder Variante gehören die erwartete Nettorendite, plausible Stressverluste und die Angabe, welche Anlagen dafür reduziert werden.

Entscheidend ist, ob die Kasse nach einem Einbruch ihre Leistungen finanzieren und die Strategie fortführen kann. Ist dies möglich, muss der erwartete Mehrertrag in der Entscheidung angemessenes Gewicht erhalten.

Mehr Aktien erhöhen die langfristigen Renditechancen. Wo die Kasse die zusätzlichen Risiken tragen und ihre Strategie durchhalten kann, sollte sie diesen Spielraum nutzen. Der Stiftungsrat muss seinen Entscheid an der finanziellen Lage und den Interessen der Versicherten ausrichten.

Die PK-Serie von Zwei Wealth

Die Serie untersucht, wie Schweizer Pensionskassen ihre Kapitalanlagen verbessern können. Ausgangspunkt sind die vier Handlungsfelder unseres ersten Beitrags: das langfristige Risikobudget konsequenter nutzen, echte Alpha-Quellen erschliessen, illiquide Anlagen kritisch beurteilen sowie Governance und Regulierung weiterentwickeln.