Monatsgespräch Klaus W. Wellershoff und Patrick Müller
Erhalten Sie die aktuellen Einschätzungen von Patrick Müller im Gespräch mit Klaus W. Wellershoff zur wirtschaftlichen Grosswetterlage.

Die meisten Aktienmärkte büssten im September an Rendite ein und insbesondere Anleihen in US Dollar und Euro verloren deutlich an Wert. Diese Entwicklungen reflektieren die gestiegenen Sorgen um eine wieder ansteigende Inflation und die Zinserhöhungen der grossen Notenbanken. Das Augenmerk richtet sich aktuell wieder vermehrt auf die Inflationszahlen und die Zinsentscheide der Zentralbanken.
Wirtschaftswachstum: Die Weltkonjunktur bleibt resilient
Die Weltwirtschaft wächst weiter, die Dynamik bleibt jedoch weiterhin verhalten und regional uneinheitlich. In der Schweiz und den USA entwickeln sich Industrie und Dienstleistungen weiterhin positiv. Auch in Europa setzt sich die schrittweise Erholung fort. Grossbritannien verliert dagegen an Schwung, während die Konjunktur in China schwach bleibt. Insgesamt hat sich das Geschäftsklima leicht verbessert. In den USA tragen dazu vor allem die hohen KI-Investitionen bei, in Europa stützen zunehmend auch öffentliche Ausgaben die wirtschaftliche Aktivität.
Verglichen dazu bleibt die Konsumentenstimmung verhalten. Auch wenn die Konsumenten weniger pessimistisch sind, sind diese noch nicht optimistisch. Der anhaltende Preisdruck belastet die Kaufkraft und sorgt dafür, dass die privaten Haushalte vorsichtig bleiben.
Inflation: Der Aufwärtsdruck nimmt zu
Aufgrund der aktuellen geopolitischen Situation hat der Inflationsdruck erneut zugenommen. Die Gesamtinflation stieg in der Eurozone, Grossbritannien, China und auch der Schweiz. Die Kernrate hingegen stagnierte in Grossbritannien, sank in den USA und der Eurozone und nahm in der Schweiz und China leicht zu.
Somit ist der Inflationsanstieg stärker in den Gesamtraten als in den Kernraten spürbar. Zweitrundeneffekte sind damit noch nicht erkennbar. Entscheidend wird sein, ob die höheren Produktions- und Transportkosten auf weitere Güter und Dienstleistungen übertragen werden. In diesem Fall würde sich der Preisdruck verbreitern und verfestigen, was den geldpolitischen Spielraum der Zentralbanken weiter einschränken würde.
Geldpolitik: Fed und EZB erhöhen den Leitzins, SNB wartet noch zu
Der September war geprägt von den Zinsentscheiden der grossen Zentralbanken. Während die Fed und die EZB ihren Leitzins anhoben, liessen die BoE, SNB und die chinesische Zentralbank ihren Leitzins unverändert. Die über dem Zielwert liegende und weiter steigende Inflation hat den Handlungsdruck für die Fed und die EZB erhöht.
Auch die SNB verzichtete auf eine weitere Zinserhöhung. Verglichen mit den anderen Zentralbanken, befindet sich die SNB aber in einer komfortableren Lage. Angesichts der Inflation, die noch innerhalb des Zielbandes liegt, beurteilte sie die aktuelle Ausrichtung als angemessen.
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